Sprungmarken

Servicenavigation

Hauptnavigation

Sie sind hier:

Hauptinhalt

StadtLeben: Integrierte Betrachtung von Lebensstilen, Wohnmilieus, Raum- und Zeitstrukturen für die zukunftsfähige Gestaltung von Mobilität und Stadt (2001-2005)

Projektbeschreibung:

In der Debatte um die Zukunft der Stadt haben Lebensstile, Wohnstile, Mobilitätsstile und andere Zielgruppenansätze in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Im Kontext von Individualisierung und Globalisierung wurden sie als Thema in die Stadtforschung und Raumplanung eingeführt. Ausgangspunkt ist die Vorstellung von der zunehmenden Ausdifferenzierung der Gesellschaft – insbesondere hinsichtlich Lebensstilen, Individualisierung, Verkleinerung der Haushalte und Vielfalt der Lebens- und Haushaltsformen. In der Marktforschung haben sich die Zielgruppenansätze bereits seit langem als wichtiges Instrument etabliert. Aber welche Relevanz haben sie für die Planungspraxis? Derartigen Fragen widmete sich das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Forschungsprojekt "StadtLeben" am Beispiel von zehn Untersuchungsgebieten in der Stadtregion Köln.

 

Das Projekt griff damit die komplexen Rahmenbedingungen auf, mit denen sich die raumbezogene Forschung und Planung heute konfrontiert sieht. Der soziale Wandel hat vielen Menschen neue Möglichkeiten der individuellen Entfaltung eröffnet. Gleichzeitig haben sich auch die Raum- und Siedlungsstrukturen sowie Zeitordnungen und damit wesentliche Randbedingungen der Mobilität dynamisch entwickelt (Stichworte Dezentralisierung, Flexibilisierung). Aus Sicht einer nachhaltigen Stadtentwicklung muss das Zusammenwirken dieser Trends – in Gestalt eines hohen Wohnflächenbedarfs sowie hohen Verkehrsaufwands – zum Teil als unverträglich bewertet werden.

 

Das Projekt erarbeitete Orientierungswissen für den planungspraktischen Umgang mit den gegenseitigen Wirkungsbeziehungen von Wohnen, Mobilität und Lebensstil im Kontext einer nachhaltigen Stadtentwicklung. Dazu wurde das Zusammenwirken von Lebensstilen, Wohnmilieus und Raum-Zeit-Verhalten und damit die Hintergründe der komplexen Wirkungsbeziehungen von Wohnstandort- und Alltagsmobilität erkundet. Erst mit Hilfe dieser erweiterten Erklärungs- und Beschreibungsansätze können zielgerichtete und effiziente Planungs- und Gestaltungsstrategien entwickelt werden. Gemeinsam mit Planungspraktiken wurden praxisrelevantes Handlungswissen hinsichtlich der inhaltlichen Gestaltung sowie Vorschläge zum planerischen Vorgehen (Beteiligung, Prozesse, Zuständigkeiten) abgeleitet.

 

Mit dem Kongress "StadtLeben – Lebensstile, Wohnmilieus und Raum-Zeit- Strukturen – Neue Perspektiven für Mobilität und Stadtentwicklung?" wurden am 24. und 25. Februar 2005 in Dortmund zum Projektabschluss die Forschungsergebnisse von "StadtLeben" zur Diskussion gestellt. Der Einladung waren rund 80 Kolleginnen und Kollegen aus der Forschung sowie Expertinnen und Experten aus Planung, Wohnungswirtschaft und Verkehrswirtschaft gefolgt. Neben der Präsentation der Forschungsergebnisse standen Meinungs- und Erfahrungsaustausch in Arbeitsgruppen zu folgenden Themen im Vordergrund:

 

  • Lebensstil, Lebensphase, Haushaltstyp – Der Nutzen sozialer Differenzierungen in der Mobilitätsforschung;

  • Die Bezüge zwischen Wohnen, Alltagsmobilität und Raum;

  • Die Bedeutung der Lebensstilforschung für die Planungspraxis.

 

Im Ergebnis zeigte sich auf der einen Seite, dass die Lebensstilforschung für konkrete Planungsaufgaben zusätzliche Erkenntnisse liefern kann, z.B. indem sie die Bedürfnisse von einzelnen Bevölkerungsgruppen besser charakterisiert als es durch soziodemografische Beschreibungen möglich ist. Auf der anderen Seite ist die Erhebung der Lebensstile ein aufwändiges Verfahren. Hier bleibt die Frage, wie im Einzelfall die Zielgruppen ermittelt werden können.

 

Darüber hinaus wurden die Wechselwirkungen zwischen Wohnmobilität, Standortwahl und Verkehrsverhalten aufgezeigt. Beispielsweise gehen mit Stadt-Umland- oder Umland-Stadt-Wanderungen deutliche Veränderungen der Motorisierung und Verkehrsmittelnutzung einher. Gleichzeitig zeigen sich dabei Einflüsse von Veränderungen der Haushaltsstruktur (etwa Kindergeburt, Zusammenziehen mit dem Partner, Trennung).

 

Veröffentlichungen:

Hesse, Markus / Scheiner, Joachim (2009): Residential Location, Mobility and the City: Mediating and Reproducing Social Inequity. In: Ohnmacht, Timo / Maksim, Hanja / Bergman, Manfred Max (eds): Mobilities and Inequality. Transport and Society book series. Aldershot: Ashgate. S. 187-206.

Scheiner, Joachim (2008): Lebensstile in der Innenstadt – Lebensstile am Rand: Wohnstandortwahl in der Stadtregion. In: Deutsche Zeitschrift für Kommunalwissenschaften 47(1), S. 47-62.

Beckmann, Klaus J. / Hesse, Markus / Holz-Rau, Christian / Hunecke, Marcel (Hrsg., 2006): StadtLeben – Wohnen, Mobilität und Lebensstil. Neue Perspektiven für Raum- und Verkehrsentwicklung. Wiesbaden: VS Verlag.

Scheiner, Joachim (2006): Housing Mobility and Travel Behaviour: A Process-Oriented Approach to Spatial Mobility. Evidence from a New Research Field in Germany. In: Journal of Transport Geography 14(4), S. 287-298.

Scheiner, Joachim (2006): Does Individualisation of Travel Behaviour Exist? Determinants and Determination of Travel Participation and Mode Choice 1976-2002. In: Die Erde 137(4), S. 355-377.

Scheiner, Joachim / Kasper, Birgit (2005): A Lifestyles Approach to Investigating Residential Mobility and Travel Behaviour. In: Williams, Katie (Hg.): Spatial Planning, Urban Form and Sustainable Transport. Aldershot: Ashgate. S. 42-60.

Scheiner, Joachim (2005): Auswirkungen der Stadt- und Umlandwanderung auf Motorisierung und Verkehrsmittelnutzung: ein dynamisches Modell des Verkehrsverhaltens. In: Verkehrsforschung Online 1(1), S. 1-17.

 

Fördermittelgeber:

Bundesministerium für Bildung und Forschung (www.bmbf.de)

 

Projektträger:

Mobilität und Verkehr, Bauen und Wohnen (www.tuvpt.de)

 

Projektpartner:

Fachgebiets Verkehrswesen und Verkehrsplanung

Institut für Stadtbauwesen und Stadtverkehr der RWTH Aachen (www.rwth-aachen.de/isb

Psychologischen Institut der Ruhr-Universität Bochum (www.eco.psy.ruhr-uni-bochum.de)

Geographischen Institut der Freien Universität Berlin (www.geog.fu-berlin.de).

 

Projektkoordination:

Prof. Dr. Klaus J. Beckmann, Institut für Stadtbauwesen und Stadtverkehr, RWTH Aachen (jetzt Deutsches Institut für Urbanistik, www.difu.de).



Nebeninhalt

Kontakt

Prof. Dr. Joachim Scheiner
Tel.: 0231 755-4822
 

Weitere Informationen:

http://www.isb.rwth-aachen.de/stadtleben/Kongress/index.html